Wie man mit dem Advisory Board eine Entscheidung trifft

 

Typisch für eine Entscheidung ist, dass wir sie unter Unsicherheit treffen. Egal, was wir entscheiden, wir können nicht wissen, ob der Zustand eintritt, den wir mit der Entscheidung erreichen wollen. Hinzu kommt, dass wir beim Entscheiden eine ganze Reihe von Fehlern begehen. Ich möchte das am Beispiel einer Pferdewette verdeutlichen. Das Beispiel ist keine Fiktion, sondern ein reales. Ich habe tatsächlich einen Pferdewetter gebeten, seine nächste Wette mit dem Advisory Board vorzubereiten.  

 

 

Bei diesem Rennen gab es 3 Favoriten. Im ersten Schritt habe ich den Pferdewetter um die Definition der Parameter gebeten, die seine Entscheidung beeinflussen sollen. Etwas erwundert nannte er mir (mit meiner "Geburtshilfe") 5 Kriterien. Ich trage sie in die „Was-ist-wichtig-Felder“ ein.

 

 

 

Im nächsten Schritt sollte er die Optionen festlegen. Das ist in diesem Beispiel einfach. Alle Experten sagen, dass das die Pferde A, B und C das Rennen unter sich ausmachen. Dem schloss sich der Pferdewetter an.

 

 

 

Jetzt kommen die beiden entscheidenden Schritte. Wer eine methodisch saubere Entscheidung treffen will, muss jede Option einzeln bewerten. Er muss sie dahingehend bewerten, wie gut sie geeignet ist, die Ziele zu erreichen. Dazu stehen Magnete mit Werten von 1 – 6 zur Verfügung. Die 6 Punkte bei Pferd A sagen, dass der Pferdewetter der Meinung ist, Pferd A habe den besten Trainingszustand hat. Pferd C ist seiner Meinung nach schlechter trainiert, was ihn zu dem Magneten mit 4 Punkten greifen lässt, und Pferd B bekommt 3 Punkte.

 

Auf diese Art und Weise bat ich ihn, jedes der 3 Pferde zu bewerten.

 

 

 

Auf dieser Basis kann man nun berechnen, auf welches Pferd man setzen sollten. Vorher müssen jedoch noch die Einflussparameter gewichtet werden. Denn je nach Gewicht, kommen unterschiedliche Ergebnisse bei der Berechnung heraus. Für die Gewichtung der Parameter sollte der Pferdewetter 10 Punkte verteilen, wobei er den Trainingszustand des Pferdes und die Qualität des Jockeys am höchsten gewichtet. Um das Ergebnis zu berechnen, muss man nun nur noch die Werte in den Feldern mit den Gewichten multiplizieren und die Ergebnisse der Zeilen addieren. Daraus ergibt sich, dass Pferd A bei diesem Rennen der Top-Favorit ist.

 

Der Einfluss von Heuristiken

 

Doch Stopp!

Als persönlicher Entscheidungsberater des Pferdewetters würde ich nun empfehlen, zu überprüfen, ob er bei der Bewertung vielleicht doch in die eine oder andere Entscheidungsfalle getappt ist. Denn ich vermute mal, dass er schon vor diesem Entscheidungsprozess Pferd A favorisiert haben, so positiv, wie er es im Vergleich zu den anderen Pferden bewertet haben. Meine diesbezügliche Frage hat er tatsächlich mit ja beantwortet. Nun rufe ich einen befreundeten Sportjournalisten hinzu, der zwar kein Pferdewetter, aber ein ausgewiesener Experte ist.

 

Ich habe ihn gebeten, die Bewertung des Pferdewetters zu kommentieren und mit ihm zu diskutieren. Das Ergebnis ist rechts abgebildet. Interessant ist zunächst, dass der Sportredakteur keine Einwände gegen die Bewertung von Pferd B und C hatte. Aber mindestens ebenso interessant ist die Tatsache, dass er zeigen konnte, dass der Pferdewetter Pferd A in allen Kriterien überbewertet hat. Des Weiteren wurden auf Anraten des Sportredakteurs auch die Gewichte korrigiert.

 

Bei dieser Diskussion wurde deutlich, dass der Pferdewetter bei seiner Bewertung gleich mehreren Heuristiken auf den Leim gegangen ist. Nach dieser Diskussion , sollte der Pferdewetter besser auf Pferd C setzen.

 

 

 

Kann man dieses Prinzip auf andere Entscheidungen übertragen?

Ja, das kann man. Wie das rechts abgebildete Beispiel aus einem Unternehmen zeigt. Das Ergebnis zeigt die Entscheidung zu der Frage "Welche disziplinarische Maßnahme ist in diesem speziellen Fall angemessen".

 

Jede Entscheidung folgt der gleichen Struktur. Man muss definieren, welche Parameter die Entscheidung beeinflussen sollen. Das können, wie bei der Pferdewette Qualitäten sein, oder wie hier Ziele, die man mit der Entscheidung erreichen will. Man muss diese Parameter gewichten, damit sie den Einfluss auf die Entscheidung ausüben, der ihnen zukommt. Ebenso muss man bei jeder Entscheidung die Optionen festlegen, die infrage kommen, um die Ziele zu erreichen, und man muss die Optionen bewerten.

 

Die Methode ist ein grobes Instrument. Das gebe ich gerne zu. Aber sie bildet im Prinzip den Prozess ab, um eine methodisch saubere Entscheidung zu treffen. Man kann sicherlich über die Bewertungen der Optionen streiten. Man kann sie kalibrieren und / oder miteinander in Relation setzen und so zu einer filigraneren, exakteren oder methodisch noch saubereren Entscheidung zu kommen. Aber es wird im Prinzip nichts anderes dabei herauskommen.