Was ist eine Bauchentscheidung?

Neulich, als wir bei Deiner Schwester waren, meinte Sie, dass die Entscheidung für Ihren neuen Job eine "Bauchentscheidung" war. Kannst Du mir das erklären?

 

Du kennst keine Bauchentscheidungen? Gibt es so etwas nicht auf dem Planeten, wo Du her kommst? Aber Ihr seid ja schlau, sicher kannst Du Dir diese Frage auch selbst beantworten.

 

Da man zum Entscheiden ein Gehirn braucht, nehme ich mal an, dass Ihr Menschen noch ein zweites, vielleicht etwas kleineres Gehirn habt, das sich in Euren Bäuchen befindet. Vielleicht kommt es vor allem zum Einsatz, wenn ihr besonders wichtige Entscheidungen treffen wollt.

 

Eine plausible Erklärung, wenn man dem Begriff unvoreingenommen gegenübersteht. Menschen tun sich mit der Beantwortung der Frage allerdings meist etwas schwerer.

 

Diese Entscheidungsfunktion des menschlichen Bauches war mir bisher nicht bewusst, sie ging auch nicht aus den Bauplänen hervor, die ich vor meiner Abreise in Richtung Erde studiert habe.

 

Es gibt auch keinen Bauplan, auf dem das, was bei einer "Bauchentscheidung" passiert, zu sehen ist. Fragt man Menschen, was eine "Bauchentscheidung" ist, sagen die meisten sinngemäß, eine Bauchentscheidung sei das gute Gefühl zu "wissen", welche Wahl richtig und welche falsch ist.

 

Ihr könnt "fühlen", was die richtige Entscheidung ist?

 

Es gibt nur Spekulationen darüber. Bei dem Thema „Bauchentscheidung“ bewegen wir uns im Reich der Emotionen. Es gibt Menschen, die davon überzeugt sind, dass „Bauchentscheidungen“ auf jeden Fall besser sind als „Kopfentscheidungen“.

 

Ist denn das eine das Gegenteil des andern?

 

Wenn man Menschen nach einer typischen Bauchentscheidung fragt, wird als Beispiel häufig der Fall genannt, ob ich einem Fremden ein Mindestmaß an Vertrauen entgegen bringen oder ihm mit Misstrauen oder Ablehnung begegnen sollte. Das entscheiden wir meistens aus dem Bauch heraus.

 

Aber damit die Entscheidung aus dem Bauch herauskommt, muss doch erst einmal der Rohstoff in den Bauch hineinkommen, aus dem er die Entscheidung bastelt. Wie kommt der Rohstoff in Eure Bäuche? Das interessiert mich. Wie die Entscheidung aus dem Bauch herauskommt, will ich gar nicht wissen. Zu wissen, wie Eure Luft aus dem Bauch wieder rauskommt, reicht mir schon.

 

Ja, was der Rohstoff einer Entscheidung ist, ist eine sehr interessante Frage. Vermutlich sind es die Informationen, die wir in dem Moment erhalten, wo uns der Fremde begegnet. Wir sehen, wie er aussieht, wir riechen ihn, wir hören, was und wie er redet usw. Die Information ist das, was wir "wahrnehmen".

 

Aber hast Du mir nicht erst neulich gesagt, dass noch nie ein Mensch "gesehen" hat?! Du hast gesagt, was Ihr "sehen" nennt, ist das Empfangen von Lichtimpulsen mit den Sensoren, den Ihr "Augen" nennt. Hast Du nicht gesagt, dass es mit dem Riechen, Schmecken, Hören genauso ist?! Und Du hast gesagt, dass das, war Ihr "wahrnehmen" nennt, das ist was für "für wahr nehmt", also für wahr haltet!

 

Ja, das habe ich tatsächlich gesagt und deshalb meine ich auch, dass es Bauchentscheidungen gar nicht gibt.

 

Du meinst, diese Informationen, die Ihr durch das Scannen des Fremden erhaltet, kommen gar nicht in den Bauch?

 

Ich meine, bei diesem "Scannen", wie du es nennst, werden Impulse in mein Hirn geleitet, mit denen es irgendetwas anfangen muss. Es muss sie bewerten, denn ich will eine Entscheidung treffen.

 

Und wie macht das Gehirn das?

 

Es vergleicht das Muster mit anderen Mustern, die irgendwo in den Tiefen meines Gehirns als neuronale Netze abgelegt sind. Es reicht dem Gehirn allerdings, wenn es ein Muster findet, dass einigermaßen passt. So kann es sein, dass mich der Fremde an einem Menschen erinnert, mit dem ich schlechte Erfahrungen gemacht habe. Dann sagt mir mein "Bauchgefühl" Vorsicht!

 

 

Und wieso meint Ihr, dass der Bauch dabei eine Rolle spielt?

 

Weil wir uns das, was uns unser Gehirn meldet, nicht so richtig erklären können. Deshalb erscheint es uns als Gefühl. Was bei dem Vergleich der neuronalen Muster passiert, nennen unsere Wissenschaftler "Heuristiken". In diesem Fall war der sogenannte Primingeffekt am Werk. Das ist nicht weiter schlimm. Schließlich sollen uns Heuristiken ja helfen, mit möglichst wenig Informationen möglichst gute Entscheidungen zu treffen. Es kann nur dann gefährlich werden, wenn wir uns unserer Heuristiken nicht bewusste sind und meinen, dass was wir zu wissen glauben, sei "wahr".

 

Ich verstehe, dann sind die, die neulich den Typen verprügelt haben, nur dem Primingeffekt auf den Leim gegangen?!

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