Meine Geburtstagswünsche

Als es noch keine sozialen Medien gab, blieb einem nur das Gebet, wenn man sich etwas Großes wünschte. Man sprach den lieben Gott an und teilte ihm mit, was einem auf dem Herzen lag. Vermutlich steckt er hinter facebook & Co., weil er all diese Bitten und Wünsche nicht mehr hören konnte. Er hatte es einfach satt, dass sich die Menschen nur an ihn wandten, wenn es ihnen schlecht ging oder sie das Gefühl hatten, dass Ihnen etwas fehlt.

 

Und tatsächlich, seit er die sozialen Medien erschaffen hat, reden die Leute wieder aktiv mit ihm. Sie danken ihm für das täglich‘ Brot, das er ihnen so reichlich serviert und schicken ihm sogar Bilder davon. Sie danken einfach für alles, was sie erleben und lassen den lieben Gott an allem teilhaben. Manchmal habe ich das Gefühl, sie danken so viel, dass sie das Bitten ganz vergessen haben. Wozu auch? Schließlich haben sie gelernt, dass der Tisch reich gedeckt ist und sich immer jemand findet, der was drauf stellt.

 

Der Gedanke, dass wir das Bitten verlernt haben, weil wir im Überfluss leben, kam mir in den Sinn, als mir heute jemand zum Geburtstag gewünscht hat, dass meine Wünsche in Erfüllung gehen. Ich habe mich gefragt, was ich mir eigentlich wünsche. Und da der liebe Gott vermutlich nur noch über diesen Kanal erreichbar ist, ist das auch der richtige Ort, um meine Geburtstagswünsche zu äußern.

 

Ich wünsche mir, dass diejenigen, die in unserem Land oder wo auch immer auf der Welt, die Fäden in der Hand haben, die Demut wiederentdecken. Da sie den Begriff vermutlich noch nicht gehört haben oder zumindest nicht mehr wissen, was das ist, hier eine twitterfähige Definition: @Demut = sich in seinem Tun seiner eigenen #Grenzen, #Lächerlichkeit und #Endlichkeit bewusst zu sein. Ich wünsche denen, deren Geschicke die Undemütigen lenken, dass die Vernunft in ihrem Denken und Handeln wieder einen größeren Stellenwert erhält (@Vernunft = mehr #Verstand statt mehr #Licht). Ich wünsche mir für die Welt: bessere Entscheidungen, denn schlechte Entscheidungen machen die Menschen, die Unternehmen und die Erde krank. Mir wünsche ich, dass ich gehört und meine Bücher gelesen werden.

 

Amen.   

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Thomas Ch. Römmelt (Donnerstag, 30 Januar 2020 08:15)

    Lieber Herr Jungblut, schön von Ihnen zu hören; habe eben Ihren Block entdeckt! Gelungener, wahrer Text!
    Ich bin dabei Ihr Buch zu lesen; Vielen Dank dafür!
    Herzliche Grüße
    Thomas Ch. Römmelt