Was sind Heuristiken?

Bei unseren Bewertungen, Urteilen und Entscheidungen wenden wir drei Prinzipien an. Das sicherste, aber auch mit Abstand aufwendigste Prinzip, kennen wir von Gerichten. Der Richter beschafft sich vor seinem Urteil alle relevanten Informationen. Er bewertet sie methodisch sauber und wägt sie ab.  Auf dieser Basis trift er seine Entscheidung, manchmal nach monatelanger Vorbereitung. Das oberflächlichste der drei Prinzipien ist die willkürliche Entscheidung, bei der wir nicht lange „fackeln“. Dazwischen liegt das Heuristik-Prinzip.

Das griechische Wort „heurísko“ bedeutet in etwa „ich meine“. Heuristiken sind an und für sich eine sehr nützliche Erfindung der Evolution. Sie sind eine Art neuronale Daumenregel. Solche „Daumenregeln“ helfen uns dabei, mit möglichst wenig Informationen möglichst gute Entscheidungen zu treffen. Die Basis für unsere Entscheidungen sind unsere Wahrnehmungen. Unser Gehirn formt daraus ein Bild. Bezogen auf das auf der Startseite beschiebene Beispiel, nehmen Sie und Ihr Bekannter zwar das gleiche Motiv „wahr“, aber in Ihren Gehirnen formen sich zwei völlig unterschiedliche Bilder, die zu zwei völlig unterschiedlichen Entscheidungen führen.

Die Grafik zeigt, wie Heuristken unser Verhalten beeinflussen. Die erwähnten Heuristiken gehe ich in meinem Buch "Entscheide Dich KLIMAFREUNDLICH" anhand von konkreten Entscheidungsbeispielen an.


Ein Beispiel

Bekennenden Gegnern und Befürwortern der Todesstrafe wurden 2 Studien vorgelegt. Die eine wies ihre abschreckende Wirkung nach, die andere widerlegte sie. Beide Gruppen bewerteten die Studie, die ihre Meinung bestätigte, als überzeugender und besser durchgeführt, als die, die ihrer Position widersprach. Die Lektüre steigerte sogar noch die jeweiligen Überzeugungen.

 

Diese Untersuchung* zeigt das Wesen des Confirmation Bias. Dieser Heuristik begegnen wir im Alltag und speziell bei klimarelevanten Entscheidungen sehr häufig. Sie ist eine der Entscheidungsfallen, die ich in meinem Buch "Entscheide Dich klimafreundlich" anhand konkreter Beispiele beschreibe. Sie finden es auch in der Leseprobe.

 

 

*C. Bryan Loyd / Brian C. Spilker, The Influence of Client Preferences on Tax Professionals? Search for Judicial Precedents, Subsequent Judgments and Recommendations, The Accounting Review 1999, 310