Eintscheidungsfallen, ein paar Beispiele

Schlechte Entscheidungen sind Entscheidungen,

  • bei denen die Ziele nicht klar sind, die mit der Entscheidung erreicht werden sollen,
  • bei denen die Kriterien nicht transparent sind, die die Entscheidungen beeinflusst haben,
  • bei denen wir beim Abwägen von Alternativen in Entscheidungsfallen getappt sind.

Ob eine Entscheidung richtig oder falsch ist, kann man erst hinterher sagen. Die Wahrscheinlichkeit, aber dass sich schlechte Entscheidun-gen später als falsch herausstellen ist ziemlich hoch.


Was ich als Denkzerrungen oder Entscheidungsfallen bezeichne, bezeichnen diejenigen, die sich wissenschaftlich mit unserem Verhalten auseinandersetzen, als "Heuristiken". Die Evolution hat sie entwickelt, damit wir mit möglichst geringem Aufwand möglichst gute Entscheidungen treffen können. Für eine gute Entscheidung braucht man eine gewissen Informationsbasis. Die ist in der Regel lückenhaft. Heuristiken sorgen dafür, dass wir diese Lücken mühelos füllen können. In der komplexen Welt von heute, die im Plan der Evolution offenbar nicht vorgesehen war, können Heuristiken allerdings zu Denkfallen werden und zu falschen Entscheidungen führen. Hier sind einige Beispiele:

Kartensätze mit Heuristiken zu unterschiedlichen Themen, finden Sie in meinem Shop


Die Kontrollillusion

Das Wirken der Kontrollillusion kann man sehr gut bei Würfelspielern beobachten. Sie neigen dazu, die Würfel kräftiger zu werfen, wenn sie höhere Zahlen benötigen und sanfter, wenn eine niedrige Zahl erwartet wird. Die Kontrollillusion ist eine der typischen Denkfallen, die uns im Alltag und im Beruf oft das Leben schwer machen. Sie ist meist im Spiel, wenn wir unbedingt etwas erreichen wollen und verführt uns zuweilen zu Entscheidungen, die das genaue Gegenteil dessen bewirken, was wir eigentlich erreichen wollen.


Die Selbstbestätigungsfalle

Stellen Sie sich zwei Gruppen vor. Die Personen in der einen Gruppe sind der Überzeugung, die Todesstrafe habe eine abschreckende Wirkung. Die in der anderen Gruppe sind der gegenteiligen Ansicht. Nun bitten Sie die Personen beider Gruppen, sich mit zwei Studien zu beschäftigen. Die eine Studie kommt zu dem Ergebnis, die Todesstrafe habe eine abschreckende Wirkung. Die andere will beweisen, dass die Todesstrafe keine abschreckende Wirkung hat. Anschließend fragen sie alle Personen, wie sich die Auseinandersetzung mit den beiden Studien auf ihre Meinung zur Todesstrafe ausgewirkt hat. Was meinen Sie, kommt dabei heraus?

Eine solche Studie wurde tatsächlich durchgeführt und eine Vielzahl ähnlicher Studien darüber hinaus. Sie kommen alle zu dem gleichen Ergebnis. Die meisten bleiben bei ihrer ursprünglichen Meinung. Sie bezeichnen jeweils die Studie als überzeugend, die ihre Meinung bestätigt. Die jeweils andere Studie wird als methodisch unsauber und als nicht überzeugend bewertet.

Die Gültigkeitsillusion

Die Gültigkeitsillusion beschreibt unsere Neigung, uns aus wenigen verfügbaren Informationsbausteinen ein Gesamtbild zu machen, das uns in den Kram passt. Ein typisches Beispiel ist, wie wir einem bisher unbekannten Menschen begegnen. Wir wissen nur, wie er im Moment der ersten Begegnung aussieht, wie er redet oder welche Körperhaltung er hat. Dennoch packen wir ihn in eine Schublade, wo er nur schwer wieder herauskommt. Die Gültigkeitsillusion ist eine der Heuristiken, deren Auswirkungen auf falsche Entscheidungen ich in meinen Büchern anhand konkreter Beispiele erläutere. Wir gehen der Gültigkeitsillusion ebenso auf den Leim, wenn wir uns klimaschädigend verhalten (was wissen Sie z. B. über Äpfel aus Neuseeland und welches CO2-Bild haben sie davon im Kopf?), ein Unternehmen Managen, wieder gesund werden wollen oder uns auf eine Stelle bewerben. Die Idee meiner Bücher ist, die Erkenntnisse, die uns die Wissenschaft über unser Denken und unsere Verhaltensmuster liefert, so zu übersetzen, dass wir davon im Alltag und im Beruf profitieren können.

 

Die Gewohnheitsfalle

Der Omission Bias ist der Staub, der sich mit der Zeit auf das Leben eines Menschen genau so legt, wie auf das Leben von Organisationen. Sie gehen tagtäglich einen Job nach, den sie schon längst innerlich gekündigt haben? Sie haben zwei Optionen: bleiben oder gehen. Der Omission Bias beschreibt das Phänomen, dass wir das Risiko der Beibehaltung des Status Quo (also des Bleibens) systematisch unterschätzen. Die Illusion besteht darin, dass wir zu wissen glauben, wie der bisherige Weg weiter geht. Das gibt uns ein Gefühl der Sicherheit, auch wenn uns der Weg nicht gut tut. Es könnte ja schlimmer kommen. Menschen können Unsicherheit nur schwer ertragen. 

 

Der Omission Bias wirkt nicht nur, wenn es um unseren Job geht, mit dem wir ein Drittel unserer Lebenszeit verbringen, er hält uns auch in Beziehungen, die längst gescheitert sind oder hindert uns daran, endlich den Arzt zu wechseln.

Primingeffekt

Der Primingeffekt beschreibt ein Reiz-Reaktions-Schema, bei dem der Eingangsreiz bestimmte Assoziationen  hervorruft, die Einfluss auf unsere Reaktion haben. Dabei muss nicht unbedingt ein Sachzusammenhang zwischen Reiz und der Entscheidung bestehen, die wir gerade treffen. Der Primingeffekt ist das Virus unter den Heuristiken. Er lauert überall und wartet nur auf einen passenden „Wirt“.