Moodvernissage

Die Moodvernissage war eines der erfolgreichsten Fortbildungskonzepte für Ärzte überhaupt. Ziel der Veranstaltung war es, Hausärzte für das Thema Depression zu sensibilisieren und die Quote der Diagnosen in der Hausarztpraxis zu verbessern. Das übliche Konzept besteht darin, das ein Experte einen Vortrag über Depression hält und die Ursachen, die Diagnose und die Therapie anhand von Folien erklärt. Zur entwicklung der Moodvernissage haben wir genau diesen Folienvortrag als Basis genommen und aus jeder Folie ein "Begreifobjekt" entwickelt. Statt sich einen Folienvortrag mehr anhören zu müssen, wurden die Teilnehmer von dem Experten durch die Ausstellung geführt und konnten sich anhand der (interaktiven) Objekte die Botschaften, unterstützt durch die Kommentare des Experten selbst "begreiflich" machen.

 

In der zweiten Phase ihres Lebenszyklus' wurde die Moodvernissage für Jederman umgebaut und ebenso erfolgreich.


AMD Lebenslinien

Bei der medikamentösen Therapie der altersbedingter Makuladegeneration (AMD) wird ein VGEF-Hemmer ins Auge gespritzt, eine für viele Patienten sehr unangenehme Vorstellung. Das Problem dabei ist, dass die AMD eine chronische Erkrankung ist und die Therapie in den meisten Fällen regelmäßig wiederholt werden muss. Obwohl der totale Verlust der Sehkraft droht, brechen viele Patienten die Behandlung irgendwann ab. Befragungen dieser Patienten ergeben u. a., dass der Grund dafür die Enttäuschung darüber ist, dass keine Heilung erfolgt.

 

Mit ziemlicher Sicherheit wurde keinem dieser Patienten verschwiegen, dass es sich um chronische Erkrankung handelt und die Therapie wiederholt werden muss. Dass Patienten von der Therapie enttäuscht sind, liegt also kaum an Informationsdefiziten, sondern eher daran, dass sie nur die Informationen wahrgenommen haben, die in das Bild passten, das ihnen gefiel. Damit sind wir bei der Kehrseite der Heuristiken. Bei diesem Phänomen spielen zwei Heuristiken eine entscheidende Rolle (mehr über Heuristiken ->). Die Gültigkeitsillusion trägt dazu bei, dass wir sehen, was wir sehen wollen. Viele AMD-Patienten wollen einfach nicht wahrhaben, dass ihre Erkrankung fortschreitet und dass sie immer wieder zur Therapie gehen müssen, wenn sie ihre Sehkraft erhalten wollen. Der Confirmation Bias (Selbstbestätigungsfalle) sorgt dafür, dass die Ansicht, dass die Injektion von VGEF-Hemmern zu einer Überzeugung wird.

Wie kann man dem mit einem "Begreifkonzept" entgegenwirken? Zur Lösung des Problems bei den AMD-Patienten habe ich das abgebildete Objekt entworfen. In einem Zylinder stecken Stäbchen mit verschiedenen Farben. Die Zacken symbolisieren die Injektionen.  Sie sind in unterschiedlichen Abständen angeordnet. Der Patient kann die Stäbchen in die Hand nehmen und das Problem "begreifen". Diese "Information" wird er weder verzerrt wahrnehmen noch ignorieren können. Das Objekt gibt es in klein für den Schreibtisch des Augenarztes oder es kann als Kunstobjekt eine Ecke des Sprechzimmers zieren.

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Problem: Verdrängung der Information, dass die AMD eine chronische Erkrankung ist und die Therapie deshalb regelmäßig wiederholt werden muss.

 

Lösung: Unterschiedliche Verläufe zum "Begreifen" als Ergänzung zu den konventionellen Informationen.