Vortrag / Workshop "Denkfallen für Patientenmanager" (ein Beispiel)


Die Situation:

Ein Wundmanager schult eine Pflegerin in der Anwendung einer speziellen Wundauflage. Trotzdem passiert am nächsten Tag ein Anwendungsfehler. Welche Denkfalle(n) könnte(n) diesem Anwendungsfehler zugrunde liegen? Diese Frage diskutiere ich an diesem und an weiteren Beispielen mit den Teilnehmern. Natürlich geht es auch um die Frage, wie man Denkfallen (bei sich selbst und anderen) erkennt und wie man sie umgehen kann. Wenn ich hier von "Wundmanager" und "Pflegerin" spreche, will ich natürlich keine geschlechtsspezifischen Charakteristika zum Ausdruck bringen, die Geschichte gilt genauso für eine "Wundmanagerin" und einen "Pfleger".

 

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Die Simulationsheuristik beschreibt das Phänomen, dass wir den Eintritt eines Ereignisses für umso wahrscheinlicher halten, je besser wir es uns vorstellen können. Wir können uns z. B. sehr gut vorstellen, dass die deutsche Fußballnationalmannschaft gegen Österreich gewinnt. Deshalb würden wir vermutlich auch auf einen Sieg wetten. Umgekehrt können wir uns schlecht vorstellen, dass Deutschland gegen Österreich verliert. Der Denkfehler besteht darin, dass der Ausgang des Spiels nichts damit zu tun hat, wie gut wir uns ein Ergebnis vorstellen können.

 

Bezogen auf den oben skizzierten Fall kann der Wundmanager sich möglicherweise nicht vorstellen, dass die Pflegerin nicht in der Lage ist, die Wundauflage richtig anzuwenden und geht entsprechend nachlässig an die Schulung heran.

Natürlich kann auch die Pflegerin einer Denkfalle auf den Leim gehen. Eine mögliche Denkfalle ist die Gültigkeitsillusion. Sie beschreibt unsere Neigung zu der Überzeugung, alles über einen Sachverhalt zu wissen, was zu wissen erforderlich ist. Natürlich können wir niemals alles über einen Sachverhalt wissen. Es gibt immer mehr oder weniger große oder viele Lücken. Die Simulationsheuristik sorgt dafür, dass unser Gehirn Bausteine konstruiert, mit denen es die Lücken füllt - obwohl es nicht sicher sein kann, dass diese Bausteine korrekt sind.

 

Bezogen auf das Beispiel kann es durchaus sein, dass die Pflegerin überzeugt ist, zu wissen, wie das Produkt angewendet wird und deshalb den Erklärungen des Patientenmanagers nicht aufmerksam genug folgt.