Beispiel für den Einsatz des  Advisory Board

Das Advisory Board hängt in den Besprechungsräumen zahlreicher Unternehmen und hat sich vor allem bei der Moderation von Gruppenentscheidungen bestens bewährt. Dabei handelt es sich um eine Magnettafel mit einer aufgedruckten Matrixstruktur und Bewertungsmagneten von 0 bis 6. Einen Beitrag für ein besseres Klima können Sie damit leisten, wenn Sie die Methode z. B. in Ihrer Familie oder im Freundesskreis anwenden, um gemeinsam Entscheidungen zu durchdenken. Für diesen Zwecke können Sie natürlich auch einen einfachen Flipchart oder ein Blatt Papier nutzen. Mit der Struktur bedruckte DIN A4 Blätter können Sie unter diesem Text herunterladen. In diesem Fall empfhielt sich der Kauf der Anleitung zur Nutzung der Adevisory Board-Methode (-> zum Shop)

 

Wenn Sie Interesse am Kauf der bedruckten Magnettafel haben, schicken Sie mir eine Mail mit der gewünschten Größe. Ich schicke Ihnen dann ein individuelles Angebot.


Ich möchte die Funktion der Methode an einem Beispiel zeigen, auf das ich auch in meinem Buch "Entscheide Dich KLIMAFREUNDLICH" beschreibe. Renate war eine der „Mutigen“, die bereit waren, mit mir über ihre umweltrelevanten (Fehl)Entscheidungen zu sprechen. Ihre Tochter Claudia kam eines Tages nach Hause und fragte, warum ihre Eltern keine sogenannten „geretteten Lebensmittel“ einkaufen. In Berlin gibt es, wie z. T. auch bereits in anderen großen Städten. Supermärkte, die sich auf den Handel mit Lebensmitteln spezialisiert haben (z. B. SIRPLUS in Berlin oder The Good Food in Köln).

 

Download
Advisory Board A4 Druck.pdf
Adobe Acrobat Dokument 546.6 KB

Schritt 1 - Die Diskussion über die Ziele

Wer eine Entscheidung trifft verbindet damit (bewusst oder unbewusst) eines oder mehrere Ziele. Ohne Ziel gibt es keine Entscheidungen. Die konkrete Formulierung dessen, worauf es einem bei einer Entscheidung besonders ankommt, wird häufig vernachlässigt. Man gibt sich häufig mit einem pauschalen Ziel zufrieden. Beim Einsatz der Methode, werden die Teilnehmer animiert, intensiv über ihre Ziele nachzudenken. Renate sammelt die Ziele ihrer Familienmitglieder und trägt sie in die „Was-ist-wichtig-Felder“ des Advisory Board ein. Dabei wird ein Zielkonflikt deutlich. Denn die Ziele „Kleine Firmen unterstützen“, „Mehr nachhaltige Lebensmittel einkaufen“ und „Politisch einkaufen“, sind kaum mit den Zielen „Nicht mehr Zeit zum Einkaufen“ und „Keine höheren Kosten“ zu vereinbaren.

 

 

Schritt 2: Wie wichtig ist mir welches Ziel?

Selten kann eine Option alle Ziele gleichermaßen gut erfüllen. Deshalb - und auch um die Zielkonflikte zu berücksichtigen - müssen die Ziele im zweiten Schritt gewichtet werden. Dazu bieten sich unterschiedliche Methoden an. Wichtig ist nur, dass die Methode der Wahl konsistent ist und dafür sorgt, dass alle Teilnehmer der Entscheidung dabei berücksichtigt werden. In diesem Fall entscheidet sich die Familie für die Verteilung von 10 Punkten auf ihre 5 Ziele.

 

Schritt 3: Festlegung der Handlungsoptionen

Im nächsten Schritt werden die Optionen in die Matrix eingetragen, die letztendlich zu entscheiden sind.

Schritt 4: Bewertung der Optionen

Der entscheidende Schritt ist die Beantwortung der Frage, wie gut eine Option geeignet ist, die Ziele zu unterstützen. Wenn wir uns überhaupt die Mühe machen, dann geben wir uns in der Regel mit sehr unpräzisen Antworten zufrieden. Die Advisory Board-Methode „zwingt“ dazu, die Optionen quantitativ zu bewerten. Dazu werden die Magnete genutzt - mit Werten zwischen 0 (die Option ist überhaupt nicht geeignet, die Erreichung des Ziels zu unterstützen) bis 6 (die Option ist perfekt geeignet...). Alternativ können die Zahlen aber natürlich auch in die Felder geschrieben werden (bei Flipchartnutzung oder Papier sowieso).

 

Die Magnete werden dort platziert, wo ein Ziel eine Option schneidet. Die Familie entscheidet sich für den Wert 2 bei der Bewertung der Option „Im Supermarkt um die Ecke“ im Hinblick auf das Ziel „Kleinere Firmen unterstützen“, für den Wert 6 im Hinblick auf das Ziel „Keine höheren Kosten“ und so weiter. Diese Methode ist zwar nicht sehr präzise, und natürlich fehlt ein valider Maßstab. Aber dafür ist sie praktikabel und einfach anzuwenden. Vergleiche mit komplexeren Methoden, die uns die Entscheidungstheorie bereitstellt, zeigen, dass sie in den allermeisten Fällen ausreicht. Bei der Methode kommt es auch gar nicht so sehr auf die abschließende Berechnung der Entscheidung an, sondern vielmehr um das strukturierte Durchdenken des Entscheidungsproblems.

Auf diese Art und Weise wird jede einzelne Option Schritt für Schritt bewertet. Die numerische Bewertung der Optionen hilft auch dabei, Heuristiken zu identifizieren. Denn natürlich basieren die Bewertungen in der Regel auch nur auf subjektiven Einschätzungen und auf Halbwissen. Dazu zwei Anmerkungen: Zum einen hilft diese Art der Bewertung von Optionen dabei, zu erkennen, wo Wissensdefizite bestehen. Es liegt dann am Entscheider, diese in Kauf zu nehmen oder sich die fehlenden Informationen zu beschaffen. Zum anderen hilft die Gruppendynamik dabei, den Einfluss von Heuristiken zu reduzieren. Denn wenn im Rahmen einer Bewertung verzerrte Wahrnehmungen im Spiel sind, neigt man dazu, der Option einen zu hohen oder zu niedrigen Wert zuzuordnen. Die Diskussion in der Gruppe dürfte in der Regel zu einer Korrektur der Bewertung des Einzelnen führen.

Berechnung des Ergebnisses

Abschließend kann die Entscheidung berechnet werden. Dazu werden die Werte in den Zeilen mit den Gewichten multipliziert und anschließend die Ergebnisse in den Zeilen addiert. So hat die Option „Im Lebensmittelmarkt um die Ecke“ einen Entscheidungswert von 27,0 Punkten, während die Option „Im Biomarkt“ mit 39,5 Punkten den höchsten Entscheidungswert hat.

 

Das Prinzip zeigt auch, wie relevant die Gewichtung der Ziele ist. Wären der Familie z. B. die Ziele „Keine höheren Kosten“ oder „Nicht mehr Zeit zum Einkaufen“ wichtiger gewesen, wäre das Ergebnis ein anderes gewesen.

Wie bereits erwähnt, geht es bei der Methode gar nicht so sehr um die exakte Berechnung einer Entscheidung, sondern mehr um das strukturierte Durchdenken der Fragestellung. In diesem Kontext ist auch das Ergebnis zu interpretieren. Wenn Renates Familie ihre Ziele und deren Gewichtung ernst nimmt, wird sie in Zukunft mehr Produkte im Biomarkt kaufen, häufiger gerettete Lebensmittel einkaufen und öfters einen  Wochenmarkt oder den Bauern direkt besuchen.

Universell für jede Entscheidung einsetzbar

Auf die gleiche Art und Weise können Sie diskutieren, wohin Sie in Urlaub fahren, welches Auto sie als nächstes kaufen wollen oder wie Sie ihr Geld anlegen. Jeder Entscheidung liegt die gleiche Struktur zugrunde. Deshalb ist die Methode für jede beliebige Entscheidung einsetzbar, egal, ob es sich um eine klimarelevante Entscheidung handelt oder nicht.